Mehrsprachigkeit damals und heute

Dialekte als Teil von Mehrsprachigkeit

Im Beitrag über Sprache, hatte ich angedeutet, dass Dialekte früher verpönt waren, weil gesagt wurde, dass sie den Kindern schaden würden. Dabei waren nicht nur die Dialekte verpönt, sondern auch allgemein das gleichzeitige Lernen, Beherrschen und Benutzen von mehreren Sprachen, die Mehrsprachigkeit.

Was Wissenschaftler früher dachten

Im Denken der damaligen Wissenschaftler war verankert, dass das menschliche Gehirn nur einen gewissen Platz hatte um Sprache zu lernen. War dieser Platz mit Wissen ausgefüllt, würde die Qualität der erlernten Sprachen nachlassen. Vereinfacht gesagt, dachte man, dass nur eine Sprache gut gelernt werden könnte und das alle anderen gelernten Sprachen die erste Sprache negativ beeinflussen würden.
Kinder seien mit Mehrsprachigkeit überfordert und würden in ihrer Entwicklung gebremst oder sogar daran gehindert werden. Mehrsprachige Kinder würden im Zweifelsfall geistig beeinträchtigte Erwachsene werden.

Was die Wissenschaft heute denkt 

Inzwischen hat sich die Meinung der Wissenschaft über Mehrsprachigkeit gewandelt und es hat sich in den letzten Jahrzehnten herauskristallisiert, dass Mehrsprachigkeit Vorteile mit sich bringt. Kinder, die mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen, haben eine höhere Hirnaktivität, da beide Gehirnhälften arbeiten müssen. Dadurch wirkt sich die Mehrsprachigkeit positiv auf die Hirnentwicklung aus. Es konnte auch beobachtet werden, dass mehrsprachige Kinder früher anfangen über Sprache nachzudenken. Sie stellen zum Beispiel fest, dass es in einer Sprache zwei Wörter gibt, eins für den Blumenstiel und eins für die Blüte. Aber in einer zweiten Sprache gibt es nur ein Wort für beides. Durch diese Beobachtungen wird die Entwicklung der Muttersprache sogar gefördert.

Aber nicht nur die Wissenschaft hatte Argumente gegen die Mehrsprachigkeit von Kindern, sondern auch die Politik.

Was Politiker früher dachten

Die Politiker von heute haben nichts mit den Politikern gemein, die im 18. und 19 Jahrhundert regierten. Die damaligen Politikern sahen sich als diejenigen, die ihr Volk zu führen hatten und damit sie dies gut konnten, musste die Bevölkerung die gleiche Sprache sprechen wie sie. Deshalb setzten sie Gesetze in Kraft, die das Hochdeutsche stärkten, wie zum Beispiel die Vorschrift an den Schulen nur in Hochdeutsch zu unterrichten, und die aber gleichzeitig die Dialekte schwächten. Eine gemeinsame Sprache sollte ausserdem die nationale Identität stärken.

Was die Politik heute denkt

Inzwischen sehen sich einheimische Politiker als Vertreter ihrer Mitbürger und als ein Teil eines grossen Europas, dass aus einer bunten Mischung von Kulturen und Sprachen besteht. Der kulturelle Reichtum der verschiedenen Regionen liegt der europäischen Regierung am Herzen und so hat es verschiedene Projekte zum Schutz dieser Kulturgüter in den Weg geleitet. Dazu gehört auch die  Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprache. Diese ist seit dem 1. Januar 1999 in Deutschland gültig und ist Grundlage für eine Sprachpolitik, die die einheimischen Dialekte schützt.

Das obige Bild ist Teil eines Projektes aus den Jahren 2012-2014, dass durch Gelder der EU gefördert wurde. Es hatte das Ziel die Menschen zum Sprachenlernen zu motivieren und sie für den Schutz und den Erhalt von Regional- und Minderheitensprachen aufmerksam zu machen. (http://language-diversity.eu)

 

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2 Kommentare

  1. Marjan Kamstra

    Also, unsere Kinder werden nicht überfordert weil sie vier Sprachen gleichzeitig lernen 🙂 (Friesisch, Niederländisch, Hochdeutsch, Plattduutsk) Ich wusste das schon, aber mann muss noch immer “streiten” so bald es um Mehrsprachigkeit handelt.

    • Anna-Schwab

      Ich habe auch schon Kommentare bekommen, wonach ich ja aufpassen soll, dass mein Sohn später keine Probleme in der Schule bekommt. Die Person (Lehrerin) hätte einige “solcher” Problemfälle in ihren Klassen gehabt während den Jahren….

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